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Georg MADER-JDW
int. Luftfahrtjournalist
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Anmeldungsdatum: 25.07.2004
Beiträge: 1033
Wohnort: Wien

BeitragVerfasst am: Mo Aug 03, 2009 07:34:19 
Titel: EUFOR-CHAD Kdt. LtGen. Nash (EI) zieht eine Art Bilanz...
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Patrick Nash: „Wir konnten nicht überall sein“
02.08.2009 | 19:16 | WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)

Patrick Nash, Oberkommandierender der EU-Truppe im Tschad, zieht ein Resümee der Mission. Er spricht über Probleme mit Banditen und über die langwierige Suche nach Helikoptern.

Die Presse: Im März 2008, bevor die EU-Mission im Osttschad startete, war ich im Flüchtlingslager Farchana an der Grenze zum Sudan. Die Flüchtlinge klagten über Angriffe von Banden, die tschadische Camp-Polizei hat mir die Einschüsse in ihrem Auto gezeigt. Alle hofften auf Hilfe der europäischen Soldaten. Wurden diese Hoffnungen erfüllt?

Generalleutnant Patrick Nash: Ja, weitgehend. Wir haben substanziell zur Sicherheit im Osttschad und dem Nordosten der Zentralafrikanischen Republik beigetragen. In der Gegend von Flüchtlingslagern und Camps intern Vertriebener haben wir einen Sicherheitsschirm aufgezogen. Aber mit 3500 Soldaten in einem Gebiet fast so groß wie Frankreich ist man natürlich nicht voll in der Lage, eine Situation zu kontrollieren.

John Holmes von der UNO und Hilfsorganisationen wie Oxfam kritisierten, dass die Menschen im Osttschad nicht genügend geschützt wurden und das Banditentum sogar zugenommen hat.

Nash: Sie haben diese Kritik vor allem an die Regierung des Tschad gerichtet. Es ist nicht unser Job, die Verantwortung und Aufgaben der tschadischen Regierung zu übernehmen. Kampf gegen Kriminalität war nicht primär Teil unseres Mandats. Das Militär kann hier nur assistieren, und das haben wir durch unseren starken Abschreckungseffekt getan. Aber wir konnten nicht die Polizeiarbeit im gesamten Osttschad erledigen. Man würde dabei nie wirklich erfolgreich sein, in einer Gegend, wo Recht und Gesetz nicht existieren und massenhaft Waffen in Umlauf sind. Und wir konnten nicht zu jeder Zeit an jedem Ort sein. Dafür hätte man tausende Soldaten gebraucht. Und außerdem: Das ist ein Job für Polizisten.

Was waren die größten Herausforderungen für die Mission?

Nash: Die größte Herausforderung war Glaubwürdigkeit. Glaubwürdig ist man nur, wenn man über volle Einsatzkapazität verfügt, und dafür muss man genügend Personal, Ausrüstung, militärische Infrastruktur im Einsatzgebiet haben. Es dauerte seine Zeit, bis wir Glaubwürdigkeit erworben haben. Aber am Ende hatten wir sie.

Ein Problem für die Glaubwürdigkeit war doch, dass Ihre Mission zu Beginn große Probleme hatte, genügend Hubschrauber aufzutreiben.

Nash: Frankreich hat am Ende einen großen Beitrag geleistet, auch Polen hat Hubschrauber bereitgestellt. Irland hat Helikopter angemietet, und nach Weihnachten waren dann auch Hubschrauber aus Russland im Einsatz. Aber wir hatten dann nur für dreieinhalb Monate volle Einsatzkapazität, denn im März lief die Mission aus. Angesichts dessen, was wir in die Mission investiert haben, wäre es vielleicht gut gewesen, weitere sechs Monate dortzubleiben. Aber das ist jetzt die Aufgabe der UN-Truppe. Das Hubschrauberproblem wurde gelöst, aber das hat zu lange gedauert.

Aber das Ganze lief offensichtlich nicht ideal ab.

Nash: Ja, das kann man nicht leugnen. Es lief wirklich nicht ideal ab. Aber am Schluss funktionierte es.

Viele europäische Länder brauchen ihre Soldaten und Hubschrauber in Afghanistan. Ist da überhaupt genug Unterstützung für Ihre Mission übrig geblieben?

Nash: Ich denke, wir haben genug Unterstützung erhalten. Aber Sie müssen verstehen, dass bei Einsätzen wie im Tschad die Anforderungen hoch sind. Es nützt nichts, alle Hubschrauber der Welt zu haben, wenn man nicht genügend gut ausgebildete Helikopterbesatzungen hat. Die nötigen Crews zu bekommen, die in einer ernsthaften Einsatzsituation operieren können, ist für die Europäer ein noch größeres Problem, als genügend Hubschrauber aufzutreiben.

Österreichs Öffentlichkeit begegnete dem Einsatz österreichischer Soldaten im Tschad von Anfang an mit großer Skepsis und Sorge. War das ein Problem für die Mission?

Nash: Ja schon. Aber es gab Bedenken in vielen Ländern. Es gab Befürchtungen, dass die Mission in einem Desaster endet, weil die EU eine Operation in einem unzugänglichen Teil der Welt durchführte, ohne Ressourcen vor Ort und in einem brisanten Umfeld. Es gab Befürchtungen, ob man damit nicht einen Schritt zu weit geht. Wir haben nicht alle Ressourcen erhalten, die wir wollten. Und danach mussten wir unsere Mission zurechtschneidern. Wir haben ein Operationskonzept erstellt, von dem wir glaubten, dass es umsetzbar ist. Und wir hatten Erfolg. Der Lessons-Learned-Prozess wird künftige EU-Missionen erleichtern. Wir wissen jetzt, was wir können und wo Lücken geschlossen werden müssen. Und davon profitiert die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

Was muss für künftige Missionen verbessert werden – etwa beim Truppenaufmarsch? Der hat im Tschad sehr lange gedauert. Und das, obwohl es in der EU Ressourcen gibt wie etwa die Battle Groups.

Nash: Auf Details möchte ich nicht eingehen, denn wir haben dem Militärstab in Brüssel über 200 Empfehlungen übermittelt, und die werden derzeit studiert. Aber grundsätzlich: Es ist wichtig, dass der Kommandant der Truppe rechtzeitig bestellt wird, damit er an den politischen, diplomatischen und strategischen Überlegungen bei der Entscheidung für eine Mission teilhaben kann. Dazu kommt die Frage, welche Nation führend für Logistik verantwortlich ist. Und wie die UN-Sicherheitsratsresolution für den Einsatz aussieht. Denn im Tschad mussten wir in der Mitte unserer Operation abziehen; zunächst ohne zu wissen, wer eine Nachfolgemission übernimmt.

Unter Ihrem Kommando standen auch österreichische Soldaten. Wie haben sie sich geschlagen?

Nash: Die Österreicher stellten vor allem Spezialkräfte, und die hatten eine wichtige Aufgabe. Wir mussten in unserem Einsatzgebiet im Tschad von Anfang an eine positive Botschaft rüberbringen: die Botschaft, dass Eufor eine europäische, multinationale und unparteiische Truppe ist. Dazu haben die Spezialkräfte bei ihren Einsätzen gleich zu Beginn beigetragen. Sie haben einen tollen Job gemacht. Und Österreich hatte sehr professionelle Spezialeinheiten.

In den vergangenen Monaten ist es immer wieder zu Gefechten an der Grenze zwischen dem Tschad und dem Sudan gekommen. Wie schätzen Sie das ein?

Nash: Während unseres Einsatzes konnten wir erkennen, dass Tschads Regierung ihre Streitkräfte schlagkräftiger gemacht hat. Sie verbesserte die Struktur und Bewaffnung der Armee sowie die Taktik und die Militärdoktrin. Und wir hatten Hinweise, dass sich auch die Rebellen neu bewaffnet hatten. Aber wir wussten, dass die Rebellen große Schwierigkeiten mit ihrer zersplitterten Führung hatten. Wir haben immer wieder mit neuen Angriffen der Rebellen gerechnet. Wir haben aber nicht erwartet, dass es zu einem Regimewechsel im Tschad kommt. Denn wir gingen nicht davon aus, dass die Rebellen in der Lage sind, die Hauptstadt N'Djamena zu erobern. Die einzige Möglichkeit wäre ein Aufstand der Bevölkerung in Kombination mit einem Rebellenvorstoß gewesen. Dann kam der Rebellenangriff. Wir waren sehr überrascht über die Taktik der Aufständischen. Sie besetzten eine bestimmte Region im Osttschad. Und dann stoppten sie ihren Vormarsch. Es schien, als würden sie die Regierungstruppen zu einem Gegenangriff förmlich einladen. Doch Tschads Armee griff nicht an. Sie wartete und erlaubte den Rebellen, weiterzumarschieren. Als die Aufständischen einen bestimmten Ort erreichten, schlug die Armee zu. Die Rebellen verloren dabei viele Kämpfer und große Mengen an Ausrüstung. Tschads Regierung ist jetzt in einer sehr starken militärischen Position.
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Georg MADER -- Korrespondent von Jane's Defence Weekly / MILITARY-TECHNOLOGY
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Prometheus
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Anmeldungsdatum: 21.09.2006
Beiträge: 3779

BeitragVerfasst am: Di Aug 04, 2009 21:07:57 
Titel:
Antworten mit Zitat

Trotzdem zeigts wieder bzw. der Millitärmann sprich der ausführende sahgts auch wieder:

In Europa ist einfach zu wenig da von allem.
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"I only regret that I have but one life to lose for my country."
Captain Nathan Hale, Continental Army

"you cannot be neutral between democrat and dictator, you can't be neutral between right and wrong."
Mary Harney
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